Der Mensch neigt zu Routinen. Gewohnte Handlungsfolgen vermitteln das Gefühl von Sicherheit. Planen wird möglich. Doch wird dieser Zustand, der scheinbar frei von unvorhersehbaren Risiken gehalten wird zu einem hohen Preis erkauft.
No Risk. No Fun!
Und noch fataler: Kein Risiko. Keine Innovation.

Die Psychologieecken hier nicht näher spezifizierter (da austauschbarer) Zeitschriften bedienen sich in solchen Fällen immer gern des Bildes „festgetretener Pfade“, die dringend zu verlassen sein, wolle man wieder zurück zur wahren Lebensfreude finden.
Das „Aufbrechen zu neuen Ufern“ wird nicht nur beschrieben, sondern auch besungen. Gemeint ist immer das Gleiche: Aufwachen! Ausbrechen! Fremde Leben atmen!

Das uns das nicht ohne weiteres gelingt, liegt an der großen Erzählung des roten Fadens. Die Beraterriege (Unternehmens-Personal-Lebens-Beziehungs-Familien-usw.) schlägt unbarmherzig in die Pfade-Kerbe und gleichzeitig neue und vor allem ausschließlich erfolgsversprechende Wege vor.
Keine Umwege! Keine Aufenthalte! Lücken im Lebenslauf? Es tut uns leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben. Wir wünschen Ihnen für ihren weiteren Lebensweg viel Erfolg (denn ohne den läuft gar nichts).

Zielstrebig und geistig vereinsamt steuern wir auf den Abgrund zu. Fallen wir erst einmal, greift auch das Bild nicht mehr, der rote Faden wird den Sturz nicht aufhalten.

Zum Glück gibt es das Netz, was den ein oder anderen schon aufgefangen hat. Es muss so sein, denn die Mahnungen: „Womit du dich schon wieder beschäftigst! Hast du zu viel Zeit? Mach doch mal was Vernünftiges! Was Produktives vielleicht?“ sind im Internet weitaus weniger anzutreffen.
Geistige Umtriebigkeit, das Verlassen ausgelatschter Pfade gehört hier nicht nur zum guten Ton, die Nichteinhaltung fungiert gar als Ausschlusskriterium. Das ist wunderbar! Haha!

Bei allem (hier schon mal) anklingendem Technikpessimismus und Entschleunigungsbestreben sollte man nicht die Impulsgebungskraft der neuen Kommunikationstechnologien aus den Augen verlieren.

PS: Vielleicht sollte ich auch einfach ein bisschen mehr in die Menschheit vertrauen, dass sie die innovativen Pfadangebote für sich und ihr Seelenheil anfängt nutzbar zu machen und den roten Faden auch mal einfach roten Faden sein lässt.


Übung macht Meister!

Eine Antwort zu “Da beißt die Maus den roten Faden ab”

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